Halbfinaleinzug in Madrid: Potapova-Erfolgslauf geht weiter
Als erste Lucky Loserin in der Turniergeschichte hatte sie bei den Mutua Madrid Open in Nacht von Montag auf Dienstag mit einem Sieg gegen die Nummer zwei der Welt, Elena Rybakina (Kasachstan), ein Viertelfinalticket gebucht. Doch das Ende der Fahnenstange ist für Anastasia Potapova damit noch nicht erreicht gewesen: Die Wahlösterreicherin ist in der spanischen Hauptstadt am Mittwochnachmittag sensationell zum ersten Mal in ihrer Karriere ins Halbfinale eines WTA-1000-Events eingezogen. Die 25-Jährige (WTA 56) eliminierte mit der Tschechin Karolína Plísková (WTA 197) eine frühere Nummer eins der Welt nach hartem Kampf mit 6:1, 6:7 (4), 6:3. Beim Kampf um einen Platz im Finale fordert Potapova im letzten Match der Nightsession am Donnerstag um nicht vor 21:30 Uhr die auf 26 gesetzte Ukrainerin Marta Kostyuk (WTA 23).
Potapova hatte im Qualifikationsfinale gegen ihre ÖTV-Kameradin Kraus das Nachsehen gehabt, war allerdings dank der Absage von Madison Keys (USA), deren Freilos sie zudem erbte, gleich direkt in die zweite Hauptbewerbsrunde nachgerückt. Nach einem 6:3,-6:1-Erfolg gegen die Chinesin Shuai Zhang (WTA 65) am Freitag und einem 4:6, 6:4, 6:4 über die auf 21 gesetzte Ex-French-Open-Triumphatorin Jelena Ostapenko aus Lettland (WTA 40) am Sonntag hatte sie bei der Nightsession von Montag auf Dienstag die amtierende Australian-Open-Titelträgerin und Ex-Wimbledon-Gewinnerin Rybakina mit 7:6 (8), 6:4 in die Schranken gewiesen. Nun schrieb Potapova gar Geschichte und zog als erste Lucky Loserin in die Vorschlussrunde eines WTA-1000-Turniers ein, und das ausgerechnet mit einem Sieg über Kraus’ Erstrundenbezwingerin Plísková. Sie dominierte dabei lange Zeit das Geschehen, lag rasch mit 5:0 in Führung und entschied den ersten Satz in nicht mal 25 Minuten für sich. Bei 5:3 im zweiten Durchgang schien die Begegnung gelaufen, doch Potapova konnte beim Ausservieren bei 5:4 zweimal und bei 6:5 einmal einen Matchball nicht verwerten und musste noch in den entscheidenden dritten Set. Dort bewahrte sie aber die Ruhe und fixierte nach anfänglichem 1:3-Rückstand durch fünf Spielgewinne in Serie ihren Aufstieg.
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Potapova ist zugleich die erste ÖTV-Dame überhaupt, die bei einer Veranstaltung dieser Kategorie unter den letzten Vier steht. „Ich hätte nicht an den Halbfinaleinzug geglaubt, wenn mir das jemand gesagt hätte. Das macht den Sport so schön, dass man mit einer zweiten Chance so weit kommt. Es könnte nichts besser sein in meinem Leben derzeit. Es ist eine Explosion der Emotionen gewesen nach dem Matchball“, bekannte sie. Zuvor hatte sie die Nerven „zwischendurch nicht im Zaum halten können“, als sie ihre Chancen im zweiten Abschnitt vergeben hatte. „Aber dieses Turnier gibt mir immer wieder zweite Chancen, und ich nütze sie. Um ehrlich zu sein, bin ich im dritten Satz mental nicht mehr so richtig dagewesen, ich habe nicht mehr an mich geglaubt. Danke an meinen Freund, er ist genau im richtigen Moment dagewesen. Im dritten Satz war er es, der mir mental geholfen hat“, sprach sie ihren Lebensgefährten, ATP-Profi Tallon Griekspoor, an. Große Freude wird Potapova auch der Blick auf die Weltrangliste bereiten, denn dort nimmt sie im Liveranking bereits Position 38 ein. Ein weiterer, keineswegs abwegig erscheinender Coup würde sie auf Platz 27 hieven, sechs Ränge hinter ihrem bisherigen Career High.