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5-Satz-Partie mit Barbara Schwartz

Die ehemalige Nr.40 der Weltrangliste eroberte zwei WTA-Titel und erreichte u.a. mit dem ÖTV-Team zweimal das Fedcup-Semifinale. Seit 2007 wirkt die heute 42-Jährige aus Brunn am Gebirge beruflich für den NÖTV. Als Trainerin und seit geraumer Zeit auch als Nachwuchskoordinatorin.

1.Gib uns bitte eine Jobdescription Deiner Aufgaben.

Als Nachwuchskoordinatorin bin ich für die Altersklasse von 12 bis 18 zuständig und kümmere mich unter anderem um Turnierteilnahmen, die Betreuung vorort, um Förderungen, um Sparring-Möglichkeiten oder auch um Konditionstests. Und ich kommuniziere intensiv mit den Heimtrainern der Jugendlichen und den Eltern. Zusätzlich arbeite ich noch mit Marion Maruska und Petra Russegger an einem ÖTV-Projekt zur Förderung des österreichischen Damen-Tennis. Es kommt also einiges zusammen.

2. Als Trainerin stehst Du ja auch noch am Platz, und zwar in Deiner „Homebase“ in der Südstadt. Es gibt allerdings noch weitere NÖTV-Leistungszentren. Welche sind das und wie arbeitet man zusammen?

Weitere Stützpunkte sind Amstetten, Neunkirchen, Tribuswinkel, Traiskirchen, St. Pölten und Wilfersdorf. Die Basis dafür ist, dass dort zumindest drei bis vier NÖTV-Kaderspieler regelmäßig trainieren müssen. Früher hat man ja versucht, alle in die Südstadt zu holen. Da die Jugendlichen aber heute auch in Ihren Heimatregionen oft ausgezeichnet betreut werden, entkompliziert diese Dezentralisierung und verkürzt die Wege enorm. Dort fördern wir zum Beispiel mit Platzkostenzuschüssen. Prinzipiell bekommen alle KaderspielerInnen eine Individualförderung und, bei ausgezeichneten Leistungen wie Staatsmeistertiteln, eine Leistungsförderung und dazu noch Unterstützungen, wie die vorhin genannten. Trotzdem ist uns natürlich bewusst, dass das meiste immer noch an den Eltern und den Heimtrainern hängt.

3. Wie siehst Du die Rollenverteilung zwischen ÖTV und NÖTV im Nachwuchsbereich?

Als Teil des ÖTV ist es zunächst unsere Aufgabe, im Kidsbereich gut „zu rekrutieren“ und eine möglichst breite Masse an niederösterreichischen Kindern zum Tennis zu bringen. Über die Kreiskader kommt man in den Landesverbandskader und von dort im Idealfall in den Nationalkader – und darauf wollen wir unsere Jugendlichen bestmöglich vorbereiten! Trotzdem sind wir eben ein Landesverband und auch jene SpielerInnen und Spieler, die der ÖTV nicht in seine Kader übernimmt, werden von uns weiterbegleitet. Auch, um sie in der Tennisfamilie zu halten. Stichwörter dazu sind die Trainerausbildung oder das aktuell so boomende College-Tennis.

4. Als Jugendtrainerin ist man ja für mehr als die Weiterentwicklung am Platz zuständig. Was ist Dir bei der Betreuung Deiner Schützlinge noch besonders wichtig?

Für mich ist es wirklich großartig, Kinder begleiten zu dürfen, die sich zu jungen Erwachsenen entwickeln! Natürlich sind mir ihre technische und taktische Entwicklung und ihr sportlicher Erfolg wichtig, aber fast noch mehr bedeutet es mir, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und ihnen Werte und Erfahrungen mitzugeben. Auch und gerade für die Zeit nach dem Tennis. Besonders schön finde ich, dass einige Mädels aus den allerersten Gruppen, die ich begleiten durfte, mich heute selbst als Trainerinnen unterstützen. Pia König und Yvonne Neuwirth etwa, oder auch Stephanie Hirsch.

5. Ein Blick aufs internationale Tennis. Was hat sich Deiner Meinung nach auf der WTA-Tour seit dem Ende Deiner Profikarriere im Jahr 2006 am meisten verändert?

Heute sehe ich doch eine größere Anzahl von athletisch perfekt ausgebildeten Spielerinnen. Zudem scheint mir, dass über die Jahre ein bisschen die Variationen weggefallen sind. Ich denke, wie sollten den jüngeren Spielerinnen mitgeben, wieder öfter einen Slice, einen Stopp oder ab und zu Aufschlag-Volley ins Spiel einzubauen. Allgemein wird sehr schnell und sehr flach gespielt, aber wenn dann hin und wieder eine mit Variationen überrascht, bekommt sie sehr wohl ihre Chancen. Ansonsten sieht man, dass viele selbst in jungen Jahren auch im Kopf schon sehr bereit sind. 

Matchball: Was steht noch auf Deiner To-Do-List, was willst Du noch erreichen?

Mehrere Dinge! Ich sag’ immer wieder, dass ich dem Tennis im Allgemeinen und ÖTV und NÖTV viel zu verdanken habe. Von meinem Background her wäre sich eine Tenniskarriere finanziell nicht wirklich locker ausgegangen, aber obwohl ich vom Juniorinnenalter weg ja durchaus Leistung gebracht habe, ist mein Job hier auch ein „Danke“. Ich möchte mithelfen, die bereits guten Rahmenbedingungen noch weiter zu optimieren – auch für Spielerinnen und Spieler, die nicht aus finanziell besser gestellten Familien stammen. Dazu will ich unbedingt noch mehr Mädchen zum Sport bringen und sie dann auch beim Tennis halten. Und außerdem will ich als echtes „Südstadt-Kind“ den Jugendlichen weiterhin beim Erwachsenwerden zur Seite stehen. Meinen eigenen Weg haben hier ganz besondere Charaktere geprägt: der langjährige Fedcup-Coach Alfred Tesar, der mich zum Verband geholt hat und durch den mir meine Arbeit zur Berufung geworden ist, und Claudia Heill, 2008 Olympiazweite im Judo, als Mensch.

Interview: Fritz Hutter (www.fritzhutter.com

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